die letzten Tage

Grosser Frust

 

In Dakar hat man uns informiert, dass die Landung in der West-Sahara ausfällt. Aus verschiedenen Gründen, z.B. kann man dort kein Wasser auffüllen, da das Schiff auf Reede liegen würde. Dieses Schiff ist VOLL von Länder-Statistikern, ich habe gleich 3 davon an meinem Tisch, aber es gibt hier an Bord sehr viel mehr! All haben diese Kreuzfahrt wegen der Fülle an exotischen Anlaufhäfen gebucht – viele wohl NUR deswegen. Dadurch, dass Brazzaville/Kongo und Bissao/Guinea-Bissao im Vorfeld, ohne Warnung aus dem Programm genommen worden ist, waren schon mal alle (ich auch) grundsätzlich sauer! Jetzt West-Sahara .... Alle freuen sich auf Mauretranien, im Bord-TV laufen abends die Ausflugs-Infos ... aber Uwe unkt schon beim Abendessen, er hat ein schlechtes Gefühl.

 

Und wirklich, wir sollten von 07.00 – 11.00 h in Nouakchott sein, es ist 6.30 h, wir dümpeln vor der Küste und frühstücken. Lautsprecherdurchsage: es ist kein Lotse da und unser Platz an der Pier ist belegt! Wir wären normalerweise ja auch gestern hier gewesen ... Einige Zeit später meldet man sich, der Frachter an der Pier legt ab ....  Kurze Zeit später die nächste Info: der Frachter hat beim Ablegen einen Maschinenschaden gehabt, er legt wieder an der Pier an. Es ist ein bulgarischer Frachter, wir haben Bulgaren unter den Offizieren, man nimmt direkten Kontakt auf ....

 

 Unser Kapitän meldet sich von der Brrrrüggge (nicht ganz so fröhlich wie sonst): die Reparatur kann einige Stunden dauern, da wir ja sowieso nur wenig Zeit haben, wird  die  Anlandung gestrichen, man fährt jetzt mit voller Kraft voraus nach Agadir ....
Daraufhin bricht bei mir am Tisch das Chaos aus ... an anderen Tischen auch!! Ungefähr so muss es sein, wenn eine Meuterei ausbricht! Sämtliche Statistiken sind im Ar...., man fühlt sich verschaukelt – besonders als wir nachrechnen – wenn das Schiff volle Kraft voraus nach Agadir fährt kommt es gegen 13.30 h an, was währe denn mit den gut 3 Stunden Aufenthalt in Noukchott, die jetzt ja wegfallen? Dann wären wir nicht vor 17.00 h in Agadir .... viel zu spät für Ausflüge .....

 

Viele an Bord sind sich sicher – DAS STAND SCHON VORHER FEST ... aber die Show mit Noukchott, samt Info in Salami-Taktik wurde eingelegt, damit die Passagiere für den Regress schlechtere Karten haben! Wildeste Gerüchte kursieren: Phoenix hat die Albatros gekauft und ist deswegen jetzt Pleite .... Die finanzielle Basis war durch den Ausfall der Alexander von Humbold seit Anfang Dezember sowieso desolat, Jeder wurde vorher gewarnt, dass die Albatros ein ganz mieses Schiff ist, auf dass sowieso niemand gehen sollte usw usw.

 

Ich merke, WIE schwer es ist, sich dem Sog der Unzufriedenheit zu entziehen ... Ich bin ja eine Frohnatur ... und ich will einen schönen Urlaub haben! Aber manche Widersprüche fallen mir auch auf. Z. B. dass das Essen dramatisch schlechter geworden ist und die Stimmung der Crew sehr gedrückt ist im Vergleich zum Anfang!

 

Es kommt zu einer Aussprache zwischen Uwe und dem Kapitän und Kreuzfahrtdirektor. Er kotzt sich dort so richtig aus ... danach geht es ihm besser und die Stimmung an unserem Tisch verbessert sich wieder. Am Abend gibt eine Veranstaltung: Gäste-Kabarett ... jeder, der möchte, kann etwas vortragen, vorsingen etc. .... ich habe mir 2 Bonmots gemerkt:

 

Wir lagen vor Mauretanien
Und hatten den Frust an Bord.
Wir schauen verärgert nach drüben
Und siehe, Nouakchott liegt dort ....

 

 

Auf der Albatros, auf der Albatros,
da lebt man komfortabel,
da schmort nicht nur das Fleisch im Topf,
da schmort auch noch das Kabel!

 

 

 

 

Agadir & Taroudant

 

Wir laufen in den Hafen von Agadir, zuerst sehen wir den 8 km langen Strand. Der Ort selbst (heute 800 000 Einwohner) wurde nach einem schweren Erdbeben 1960 komplett neu errichtet. Wir passieren die neue Marina und den Hausberg mit der Zitadelle oben drauf. In die Bergflanke ist auf arabisch geschrieben: Gott – Vaterland – König  .... abends beleuchtet!

 

Im Hafenbecken sind wir knapp zu spät dran, die ‚Costa Marina’, ein griechisches kreuzfahrtschiff schnappt uns um haaresbreite den viel schöneren Platz weg ... Jetzt müssen wir an die allerletzte pier ganz hinten! Wir werden umkreist vom Lotsenboot und einem Bugsierschlepper – totaaal faszinierend, wie der uns in der richtigen Position an die Kaimauer drückt.

 

Am Kai sammeln sich die Taxis, zuerst viele kleine Rote, das sind die ‚Petit Taxis’, dann folgen die hellen  ‚Grande Taxis’ ... alles Mercedesse, schliesslich fahrt die Bus-Armada für uns vor. Die Ausflugsteilnehmer sammeln sich in Grüppchen in der Atlantik-Lounge. Ich habe mich für den Orient entschieden und mache den Ausflug nach Taroudant. Die einzige Alternative wäre eine Stadtroundfahrt in Agadir. Dadurch, dass wir so spät sind – 14.00 h anstatt 09.00 h sind leider keine Tagesausflüge mehr machbar. Das ist besonders schade für die Passagiere, die gerne nach Marrakesch wollten ...

 

Zuerst geht es durch den Grossraum Agadir – Bauboom ohne Ende, Appartments noch und nöcher – aber bald geht es raus aufs Land. Hier ist schon längst der Frühling eingekehrt, der Strassenrand, das Bachland und die kargen Weiden sind überseht von Blumen: ganze Ozeane in gelb ...Butterblumen; dazu – hier und da – roter Klatschmohn ... einfach fantastisch! In der Ferne das Atlas-Gebirge, je näher wir Taroudant kommen (ca 80 km von Agadir), desto mehr sollte vom schneebedeckten Hohen Atlas zu sehen sein ... aber es ist leider diesig.

 

Neben der Strasse ziehen sich jetzt ausgedehnte Plantage mit Arganbäumen, von der Optik könnten es auch Olivenbäume sein .... Diese Arganbäume wachsen nur hier im Süden Marokkos, sonst nirgens auf der Welt. Aus den Nüssen wird ein berühmtes Öl gemacht, das kann man zum Kochen, für kosmetische Zwecke und zum Heilen (z- B. gegen Rheuma) verwenden. Es schmeckt und riecht ein wenig wie Mandelöl, ist aber um ein vielfaches kostbarer (sprich teurer).

 

Bei den Touristen heissen die Bäume nur Ziegenbäume – und das Öl ist dann halt das Ziegenbaumöl  J       Zwischen den tausenden von Bäumen wandern Ziegenhirten mit ihren Herden, die gelenkigen Ziegen kraxeln auf die Bäume und fressen von den Blättern. Wir halten an und finden einen Baum, in dem mindestens 15 Ziegen herumturnen! Leider komplett im Gegenlicht ... und als sich 35 Touristen wit Kameras im Laufschritt dem Baum nähern, springen die Ziegen natürlich in Panik herunter ....          wie schade .........  der Ziegenhirte steht abseits und amüsiert sich!

 

Taroudant ist von einer 6 km langen, völlig intakten Lehm-Stadtmauer umgeben, es wurde als eine kleine Kopie von Marrakesch erbaut. Hier haben so illustre Persönlichkeiten wie Farah Diba und Jaques Chirac ihre Villen ....  Bevotr es in die Stadt hinein geht, wird eine kleine Pause in einer Hotelanlage mitten in einer Orangen-Plantage eingelegt – der Baustil ist maurisch, alles sehr hübsch, gereicht wird als Erfrischung: frisch gepresster, köstlicher Orangensaft oder Minztee ... wie soll man sich da blos entscheiden? Ich stelle mich ganz einfach 2 x an!

 

Wir haben mal wieder einen sehr gut deutsch sprechenden Guide erwischt. Er hat es wahrlich nicht leicht mit uns ... wir werden im Gänsemasch 2 Stunden durch die engen Gassen und Souks von Taroudant geführt ... er mit dem langen Stock und der 5 darauf (wir sind Bus /Gruppe 5) vorne weg, Petra von Phoenix als ‚Lumpensammlerin’ und Antreiberin hinterher! Immer wieder will jemand von uns in einem Geschäft verschwinden und shoppen ... Nichts da ... wir dürfen uns nicht aus den  Augen verlieren   J

 

Das Problem ist, die Händler sind uneinsichtig, und ausser uns sind noch 5 weitere Albatros-Busse hier ... und TUI-Gäste und und und  .... völlig klar, dass das nicht funktioniert .....  Als richtiger Araber hat unser Guide natürlich längst das 5er Schild an einen Gehilfen abgetreten ... so ein Schild zu tragen ist unter seiner Würde  als Guide!!! Der Gehilfe hat so seine Kontakte im Souk – klar, von irgend etwas muss der Junge ja leben .... Petra ist nur noch ein schieres Nervenbündel.

 

Wir sammeln uns an einem Hauptplatz, aber unsere Gruppe ist nur noch in Fragmenten vorhanden .... Guide und Gehilfe sind abhanden gekommen. Ein mitfühlender Minztee-Verkäufer bringt uns zu den Anderen, sie sind gerade in einer Arganöl Kooperative und lassen sich den Ölgewinnungs-Prozess demonstrieren. Als wir wieder herauskommen, ist unser Bus da und alles ist schön .....

 

Ich habe den Spaziergang und das Leben und Treiben sehr genossen, besonders, als der Muezzin zum Gebet rief hatte ich den dringenden Wunsch, hier zu bleiben ... und nicht auf die Albatros zurückzukehren .... nun ja, ein anderes Mal.

 

 

 

 

Waltraut hat sich gemeldet ...

 

Ich gleube nicht, dass ihr die Kommentare mitlesen könnt, sie hatte sich 2 x nett geäussert. Und jetzt kommt es:

 

Waltraut ist die Ehefrau von unserem Kapitän von der Brrrügggge !!!!

 

Ich habe keine Ahnung, wie sie zu meinem Blog gekommen ist! Ausserdem müssen solche Infos natürlich agbecheckt werden – also habe ich gestern abend einen Termin beim Kapitän angefragt. Heute morgen um 9.00 h haben wir uns getroffen – jaaaa  -  in der Tat – seine Frau heisst: Waltraut  J

 

Ich habe ihn ganz lieb gegrüsst und wir haben herzlich gelacht ....

14.3.09 11:24

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bisher 1 Kommentar(e)     TrackBack-URL


Waltraud / Website (15.3.09 12:51)
Hallo, tja was soll ich sagen, ich bin einfach über Google zu deinem Block gekommen! Nach soviel Problemen, konnte ich mir nicht vorstellen, dass das klanglos im Internet vorbeigeht!! War auch erkältet gleicher Virus wie an Bord. Bei uns ist die gesamte Familie flachgelegen. Denke nicht, dass das von der Aircondition kommt. Das ist eine Tröpfcheninfektion und die wird nicht über die Aircondition, die nicht funktioniert, verteilt. Dann kommt das Problem dazu, dass sehr viele Gäste es mit dem Händewaschen nicht so haben und so verteilen sich die Viren ganz schnell. Schade für euch, dass es so gekommen ist, aber ich hoffe, dass die Stimmung nun besser ist und ihr noch schöne Tage an Bord verbringen könnt. Du schreibst sehr humorvoll und spannend - ich bleib auf jeden Fall dran.......Lieben Gruß aus Österreich

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