Senegal

Dakar – Senegal Ich werde von einem lauten schlürfend-schmatzenden Geräusch aus dem Schlaf gerissen! Was war DAS denn jetzt? Es ist eigentlich noch dunkel, aber gelbes Licht dringt durch die Bullaugen in meine Kabine .... Richtig, das stand ja im Tagesprogramm: Es ist vorgesehen, dass die MS Albatros in der Nacht zu 08.03. an einer Bunker-Pier vor Dakar Treibstoff aufnimmt. Im Anschluss daran wird die MS Albatros den vorgesehenen Liegeplatz für unseren Aufenthalt in Dakar einnehmen. Ok, ich drehe mich um und schlafe weiter. Als ich gerade zum Frühstück will, meldet sich der Kapitän von der Brrrüggge: Wir sind immer noch an der Bunkerpier, die Pumpe zur Übernahme des Treibstoffes funktioniert nicht ... an Land ... wir sollen schön langsam und in Ruhe frühstücken und auf weitere Anweisungen warten ... Na, bravo – da hätte ich mir also gar nicht den Wecker stellen brauchen!!! Jetzt, nach 5 Wochen auf Reisen ... und wo die Klimaanlage nicht arbeitet, genau jetzt habe ich eine Erkältung!!! Dabei gehen meine Hustenbonbon-Vorräte langsam zur Neige. Als ich am Frühstückstisch sitze kommt die nächste Meldung: man hat die Hafenarbeiter mit neuen Overalls ausgestattet und ihnen ein kräftiges Frühstück serviert ... siehe da, die Pumpe läuft ganz plötzlich und unerwartet! Ausserdem hat man sich in zähen Verhandlungen mit den Behörden geeinigt, das Schiff HIER zum Landgang frei zugeben und alle Ausflugsbusse hierher zu beordern ... ein logistischer Kraftakt in Afrika ... aber die Ausflüge beginnen mit nur etwa 45 minütiger Verspätung! Stadtrundfahrt . Ich mache die grosse Stadtrundfahrt und habe mit der Führerin das grosse Los gezogen! Sie ist eine Woloff und heisst Aua  das schreibt sich Awa und bedeutet Eva. Sie ist eine junge, hübsche Frau ... und wir können nicht glauben, dass sie 5 Kinder hat und ihr Älteseter gerade Abi macht. Der Lautsprecher des recht guten Busses funktioniert einwandfrei und Awas Deutsch ist exquisit! Sie ist Gymnasial-Lehrerin für Deutsch an einer Schule in .... . Sie berichtet über die Unterstützung, die sich in Afrika Familienmitglieder untereinander gewähren: ihr Sohn wird bei seinem Onkel in Dakar wohnen, wenn er hier studiert – ihr Onkel hat während seines Studiums bei ihrem Vater gewohnt ... der war Schuldirektor und hatte so viele Gaststudenten bei sich aufgenommen, dass man nachts Matratzen in den Klassenräumen hatte, die hätten gar nicht alle in sein Haus gepasst. Wir fangen an mit dem Bahnhof, ein wunderbares Jugendstil-Gebäude, leider fahren keine Züge mehr, der Zugverkehr im Senegal ist eingestellt! Als nächstes kommt die Place de l’Independence, umringt von schönen Hotels, Banken und Regierungsgebäuden. Im Gegensatz zu den anderen Städten Westafrikas macht Dakar einen sehr gepflegten, urbanen Eindruck. In der Kathedrale findet gerade eine Messe statt, deswegen können wir sie nur von aussen besichtigen. Wir halten am Palast des Präsidenten, ein fescher Soldat un roter Uniform hält Wache. Jetzt fahren wir an einigen Märkten vorbei, aber es ist Sonntag, da ist nichts los. Wir besuchen eine Galerie mit Sandgemälden (aus denn verschiedenfarbigen Sänden des Landes) und einen Handwerker-Markt ... aber ich habe mich langsam satt gesehen an den ganzen Masken usw. Sehr schön ist die grosse Moschee, ein Geschenk des marokkanischen Königs. Wir fahren entlang der Universität, durchqueren das Villenviertel und kommen zur Corniche. Im Hotel ....bekommen wir eine Stärkung, ich trinke zum ersten Mal Baobab-Frucht-Saft ... lecker. Unser letzter Stopp ist die Jugendstil-Markthalle, leider ist der Blumenmarkt schon vorbei. Rundum zufrieden und voller neuer Infos kommen wir zurück zum Schiff. Beim Essen erzählen die an Bord gebliebenen die nette Story: der Kapitän hätte erzählt, die Rechnung für den Treibstoff hat mehr Treibstoff aufgeführt,, als der Tank überhaupt fasst! Dabei war der Tank ja längst nicht leer  Die Verhandlungen hierüber laufen noch! Während einer kleinen Siesta merke ich, dass die Klimaanlage wieder funktioniert, mir ist so kalt, dass ich einen Pullover überziehe .... ist das jetzt die Erkältung oder die Klimaanlage?? Ich mache mir einen gemütlichen Nachmittag an Bord, da Sonntag ist, ist in Dakar sowieso nichts los. Die Sklaven-Insel Goree Goree liegt ungefähr 3 km vor Dakar, es fahren täglich mehrere Fähren. Die Insel ist seit einigen Jahren Weltkulturerbe der UNESCO und der Ausflug lohnt sich. Der Fährableger ist nicht weit von unserer Alabatros und wir sind in 3 Gruppen aufgeteilt, damit es sich etwas verläuft auf der Insel. Zuerst besichtigen wir das Sklavenhaus-Museum mit der berühmten ‚Tür ohne Wiederkehr’; hier wurden jahrhundertelang die Sklaven aus ganz Westafrika für den Transport nach Übersee, sprich Amerika gesammelt. Angekettet am Hals und an den Füssen waren die Enge und die hygienischen Verhältnisse entsetzlich, an Bord der Schiffe war es dann noch viel schlimmer! Nur etwa 10 – 15 % der ‚Fracht’ hat die Überfahrt überlebt!!! Die wenigen Überlebenden bekamen dann neue Namen, je nach Ziel englische, französische, holländische, portugiesische oder spanische. Danach kraxeln wir auf die Zitadelle, ein monumentaler Felsblock, der von Kanonen gekrönt ist. Hier steht auch ein mopdernes Denkmal. Der Weg hinauf ist gesäumt von Souvenirhändlern mit Masken, Halskette, Stoffen und Gemälden .... aber wir sind ja seit Tagen schon gut versorgt. Hier auf der Insel geht es beschaulich zu, die alten Häuser sind zum teil renoveirt, zum Teil recht verfallen – aber von Bougainvillen in pinkrotorangegelb überwuchert. Dazwischen Esel, Ziegen, Rinder, Hühner .... Wäsche baumelt malerisch von vielen Leinen, rotznasige Kinder wuseln und die Frauen in ihren wunderbaren Gewändern ... ich kann mich mal wieder nicht satt sehen und hole aus dem Akku meiner Kamera das Letzte heraus ... Leider ist der Zeitakku in der Handtasche leer !!!! WIE konnte DAS passieren??? Aber etwa 140 Fotos habe ich in den 3 Stunden auf der Insel geknipst, das sollte doch reichen .... Bevor es mit der Fähre zurück geht, machen wir alle noch einen kleinen Stopp am Hafen – wir bekommen Wasser-Saft-Bier-Cola-Limo, dazu gibt es Oliven und Erdnüsse. Es ist ja auch inzwischen 14.00 h. Ich nicke doch glatt auf unserer ‚Chaluppe’ ein  Als wir dann um kurz vor 3 auf der Albatros eintrudeln hat das Restaurant extra auf uns gewartet, wir bekommen noch Mittagessen Um !6.00 h meldet sich unser Kapitän von der Brrrrüggge: gleich kommt der Lotse und wir verlassen Dakar mit Kurs auf Nouakchott in Mauretanien. Der Generator arbeitet zwar nicht, aber es wurde alles abgeklärt und wir können beruhigt losfahren

9.3.09 18:16

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