Archiv

Text 1

.. folgt sobald ich jemanden gefunden habe, der mirt das hier erklaert ...Zyklon-Warnung

Nach dem Internetten und Abendessen trolle ich mich in meine Huette. Housekeeping kommt und bereitet mein Zimmer fuer die Nacht. Da klopft es spaet noch einmal ...ich oeffene die Tuer: Message for you Madam ...

Ein Rundschreiben in Englisch: Cyclon-Warning ONE
Gael, a modest tropical cyclon is on ist way towards Mauritius.
It is now about 150 km east of Rordriues,
with a speed of 15 – 20 km per hour …
Plus genaue Anweisungen, was zu tun … Huch ….

Ok, ich schalte erst mal mein Hirn ein – Rodrigues ist 650 km weg, plus 150 km macht 800 km geteilt durch 20 = 40 Stunden ... in Mathe war ich schon immer ein Ass  Also in etwa 20 Stunden isser da. Ich schau schon mal raus, aber solange hier noch all die Stuehle, Liegen mit Auflagen etc rumstehen kann eigentlich gar nichts passieren! Ich rechne noch mal, Es ist Dienstag abend 20.00 h ... plus 40 Stunden ... macht: jawoll, Donnerstag Vormittag ... exakt meine Abflugzeit nach Kapstadt  Bingo !!!

Mir kommt wieder das Fledermaus-Gesicht in den Sinn, ich wuehle aus dem >Gepaeck die Bedienungsanleitung fuer meine Kamera und das Handbuch: Praxis-Workshop fuer die Panasonic Lumix. Meine Kamera ist die TZ3, ein absolutes Wunderwerk der Technik. TZ steht uebrigens fuer Travellers Zoom – also genau richtig fuer mich. Ich lese mich fest und bin faszinieeeeert .... Ich finde die Funktion zwar nicht, die ich aus Versehen entdeckt habe – aber es ist schier unglaublich, was man mit dieser Kamera alles kann (ob ich auch, ist mir noch nicht so wirklich klar). Dann schaue ich af die Uhr und bin baff: 01.45 h !!! Jetzt aber hurtig geschlafen, Gael ist erst einmal vergessen.


Sightseeing

Die Warnstufe ist auf ‚Zwei’ hochgesetzt, sagt Kanal 21, Hotel Teletext ... Gael rueckt naeher Draussen gießt es gerade heftig, aber kurz danach hat die Sonne alles schon wieder getrocknet. Um 10.00 h geht es los, ich bin zuerst irritiert, als der Tour-Manager ein AVIS Formular herausholt, ok, dann ist es wenigstens ein gutes Auto. 8 Stunden mit englisch sprechendem Fahrer kreuz und quer ueber die Insel nach Wunsch: 100 Euro, finde ich einen fairen Preis – ausserdem habe ich nur heute – also auffi.

Villa Eureka, Port Louis, Pamplemousse, L’Aventure du Sucre, Grande Baie und das Cap Malheureus sind meine heutigen Wunschziele. Der Kamera-Akku ist geladen und eine neue SD-Card eingelegt 


Villa Eureka

Ist eine etwas morbide Kolonialvilla in einem verwunschenem Garten. Ich streife durch die original ausgestatteten Raeume der vorletzten Jahrhundertwende und geniesse das Ambiente.
Port Louis,

die Hauptstadt des Inselreiches hat 200.000 Einwohner und etwa 100.000 Pendler taeglich – also ziemlich viel Verkehr. Wir beginnen mit der Auffahrt auf einen hohen Huegel mit Zitadelle, der Blick von oben ist toll. Dann geht es zur Waterfront, huebsch gemacht. Heute liegt das Kreuzfahrtschiff Aurora im Hafen. Eine grosse Statuel vom Vater der Nation, Sir ??? (hab den Namen schon wieder vergessen, der Flughafen ist nach ihm benannt). Das war der erste Premierminister, der Mauritius in die Unabhaengigkeit gefuehrt hat. Mein Fahrer sagtt: jetzt ist ein Sohn der Premierminister ... aha 
Ich mache einen Spaziergang anntlang der Palmengesaemten Hauptstrasse mit vielen Stadtbieldern – auch Queen Victoria ist hier. Es gibt noch eingie alte, gepflegte Kolonialgebaeude und eine Kollection neuer, moderner Hochhaeuser. 22 Etagen hoch ist dier hoechste Wolkenkratzer: die Bank of Mauritius!


Pamplemousse

Das ist auf ueber 90 ha ein weltberuehmter Botanischer Garten, er wurde schon vor fast 300 Jahren gegruendet – wunderbar! Ich steige aus und es faengt an zu pladdern ... na bravo ... aber – man hoere und staune – ICH HABE EINEN SCHIRM DABEI !!! Es hoert nach etwa 15 Minuten wieder auf und ich durchstreife das GELAENDE. Strelizien Und Heliconia, Bougainvillea und Oleander, Hibiscus, Tulpenbaum, Flamboyant und und und .... Dazu ueber 50 Palmenarten, ein grosses Becken mit Lotusblueten, ein noch groesseres Becken mit Regina Regian, bluehend! Das sinde diese riesigen gruenen Teller, der schwimmen. Jetzt brennt die Sonne unbarmherzig, ich habe mich verlaufen ... als ich endlich wieder auf dem Parkplatz bin stueze ich mich auf den naechsten Kokosnuss-Verkaeufer: frisches Kokoswasser ist sehr erfrischend.


L’Aventure du Sucre

Liegt nur ein paar hundert Meter weiter. Es ist eine alte Zuckerfabrik, die jetzt zu DEM Museum der Insel umgemodelt wurde. Rings herumm nichts als Zuckerrohr-Plantagen. Die Briten haben damals Zehntausende Inder als Arbeiter hierher exportiert, genau wie nach Fidji oder Trinidad. Deswegen ist hier der Grossteil der Bevoelkerung Indisch. Auf Rodrigues gibt es keine Palntagen, deshalb auch fast keine Inder! Das Museum ist wunderbar hergerichtet, all die alten Geraetschaften, alte Fotos, viel Multimedia ... aber es interessiert mich im Moment nicht die Bohne, ich schwaechele - die Schwuele, die Hitze – ich begebe mich ins Restaurant, eine Suppe waere jetzt toll. Gibt es nicht, da nehme ich halt Spaghetti Bolognese und salze kraeftig nach. Dazu Lemon Presse ... ich bluehe praktisch wieder auf.


Nordkueste

Mein Taxifahrer hat Nachricchten gehoert, Gael ist naeher gekommen, irgenwann heute Nacht soll er die Insel passieren. Es ist immer noch Stufe 2. Aber das Wetter hat sich deutlich geaendet – es ist stark bewoelkt, donnert oft und regnet in Boen. Da macht die Landschaftsfahrt entlang der Nordkueste gar keinen rechten Spass ... Ich schaue mir noch eine kleine Kolonialkirche und einen huebschen Hindutempel an, dann geht es mitten durch die Rushhour von Port Louis zurueck nach Flic en Flac – mein Fahrer kennt geheime Schleichwege.


Letzter Abend

Wenn der Cyclon heute nacht kommt, faehrt dann morgen frueh um 05.30 h ueberhaupt mein Taxi? Wie ist die Lage am Flughafen ... und ueberhaupt? Das Hotel hat alle Liegen, Auflagen, Stuehle usw weggeraeumt – aha. Es ist immer noch Warnstufe 2, d. h. Abendessen und Abendveranstaltung im Freien, wie geplant.

Ich wende mich mit allen meinen vielen Fragen an: Rezeption, Guest Relations, Porter-Service und der Air Mauritius-Vertretung im Hotel ... und bin schlichtweg begeistert! Keinerlei Floskeln, ich fuehle mich sehr ernst genommen, ich bekomme jede Menge guter Tips und eine sehr kompetente Auskunft – besonders in Anbetracht, das ja niemand weis, wie es weitergeht. Wenn es so bleibt, wird morgen alles fast normal laufen; wird auf Stufe 3 hochgesetzt, wird der Flughafen geschlossen und der Autoverkehr eingestellt. Stufe 4 wuerde heissen: der Cyclon ist fast ueber uns.

Beim Abendessen kloene ich mit Honeymoonern aus Muenchen, sie sind auf hohem Niveau enttaeuscht, nix los hier und kein Ort in dem man huebsch bummeln koennte ... waeren sie doch blos nach Kuba gefahren (zum halben Preis) ...

Ich packe und es klopft, aha, eine Message: in deutsch! Konkrete Verhaltensmassnahmen fuer den Ernstfall. Ich schlafe trotzdem gut. Weckruf, ich dusche und rufe in der Rezeption zweckt Gepaechkabholung an: I need a porter – Antwort: What is your Flightnumber ... ich zurueck: I need a Porter – What is your Flightnumber? Wieso, frage

1 Kommentar 28.2.05 17:13, kommentieren