Auch DAS noch .....

Mr. Skylight, Mr Skylight ...

 

please proceed to Muster-Station immediately, Mr. Skylight Mr. Skylight!
Ja, wo isser denn, dieser Mr. Skylight? Sollte er sich auf Abwegen befinden, wenn sein Kapitän ihn braucht. Aber ist das ein rund ihn gleich über Bord-Lautsprecher zu suchen ... es ist 3.50 h in der früh!!!

 

Für die Lautsprecher-Durchsagen gibt es 3 Möglichkeiten: nur draussen auf den Decks zu hören; in den Innenräumen – aber nicht in den Kabinen zu hören und im ganzen Schiff überall zu hören .... und DAS war eben der Fall. Muss also wichtig sein!  Ich höre Getrappel auf dem Gang, mit Sprachfetzen aus einem Walkie-Talkie.  Ob das wohl Mr. Skylight war? Ich drehe mich um und will weiterschlafen.

 

Jetzt meldet sich unser Kreuzfahrt-Direktor auf deutsch an uns. Verehrte Gäste, bitte bleiben sie ruhig, es gibt eine starke Rauchentwicklung im hionteren Teil des Schiffes. Im Maschinenraum schmort ein Kabelstrang. Die Bordfeuerwehren sind im Einsatz, Mr. Skylight  war  das Codewort für die Crew! Ach so ... meine Kabine liegt ziemlich vorne, ich bin nicht betroffen. Ich erinnere mich an meine Zeit bei Karstadt im Reisebüro vor 35 Jahren, dort gab es auch für alle Eventualitäten Codewörter, die dann über Lautsprecher durch das Kaufhaus schallten ... Da wusste dann jeder Angestellte, was los war. Bei KLM gab es die Codeworte: Ikarus ... für Flugzeug-Entführungen und Dädalus .... für Flugzeug-Abstürze ... nun ja.

 

Einige Zeit später meldet sich wieder unser Kreuzfahrt-Direktor von der Brücke: Verehrte Gäste, bitte bleiben sie in den Kabinen und schlafen sie weiter, die Lage ist absoolut unter Kontrolle, der Schmorbrand ist gelöscht und mittels der Ventilations-Systeme wird jetzt der Rauch aus dem Schiff entfernt.
 .... wahrscheinlich steht ein Teil der Passagiere mit Rettungsweste vor den Rettungsbooten ....    Ich drehe mich auf die andere Seite!

 

‚Attention Crew, attention Crew – you are dismissed from your position. Step down to your cabin. Only Fire Defense Teams stay in position’ – na, bitte - DAS klingt doch beruhigend, wenn nur noch die 3 Schiffsfeuerwehren gebraucht werden! Ich schaue mal wieder auf die Uhr: es ist 6.10 h! Da kommt auch schon die deutsche Ansage: verehhrte Fahrgäste, wenn sie nicht direkt von der Rauchentwicklung betroffen sind bitten wir sie, sich zurück in ihre Kabinen zu begeben! Das Schiff hat wieder Fahrt ausgenommen Richtung Banjul / Gambia.

 

Im Maschinenraum ist ein Kabelstrang von Generator 7 zu heiss geworden, die Gummiummantelung hat unter starker Rauchentwicklung zu schmoren begonnen. Das hat den Feueralarm ausgelöst und damit wird die Automatik der Notfallpläne abgespult: alle Crew-Mitglieder müssen sich auf ihre Position begebenl Das Löschen des Kabelschmorbrandes hat dann eine noch viel stärkere Rauchentwicklung nach sich gezogen ... dieser Rauch wird jetzt durch die Ventilationssysteme aus dem Schiff gepumpt. Die Besatzung hat perfekt auf diese Situation reagiert ... na, das klingt doch gut!

 

Verehrte Gäste, BITTE schlafen sie jetzt weiter ... ich sitze nun längst an meinem PC und tippe diesen Text, es ist inzwischen fast 6.30 h und ichj glaube icch gehe mal zum Lidodeck hinten, schnuppern und einen Early-Bird-Kaffee trinken ....

 

Ja, es riecht in den Gängen noch verschmort, aber alle Türen nach draussen sind auufgemacht, die frische Meeresluft kommt herein. Am Pool, in der Lidobar ist schon mächtig was los, sogar das richtige Frühstück wird schon aufgebaut.

 

Wir haben Verspätung, das Schiff ist über Stunden nur ganz langsam gefahren. Später erfahre ich, dass das Schiff während des Brandes im Kreis gefahren ist, und dass ein Frachter in der Nähe gewartet hat ... für den Fall einer Evakuierung!
Da, Land in Sicht ...

 

 

Banjul / Gambia

 

Rückwärts einparken mit eleganter Drehung und Hilfe von Bug- und Seitenstrahl-Ruder. Auf der Pier sortieren sich die Busse, eine Folklore Truppe und eine Militärkapelle mit Dudelsackspieler.
BMWs und Mercedesse, die Honoratioren treten an.

 

Landgang, ich lasse mich durch die Stadt treiben. Fähre nach Senegal direkt nebenan, DA tobt das wahre Leben, hoch bepackte Autos.

 

Intermezzo im Postamt,  ich folge den Ziegen, Polofeld mit weissem Haus

 

Bin zum Mittagessen erschöpft wieder am Bord. Kleine Siesta bis zum Ausflug

 

Markt, Nationalmuseum

 

Fischerdorf Bacau und Batikfabrik in Serekunda

 

Text folgt noch

 

 

 

Lagebesprechung

 

Vor dem Abendessen bitten Kapitän und Kreuzfahrtdirektor zur Lagebesprechung. Die Besatzung wird gelobt, sie hat prima reagiert. Der Kapitän beteuert noch einmal: Sicherheit geht vor! Er ist glücklich, dass niemand verletzt wurde .... aber so zwischen den Zeilen entsteht der Eindruck ... DAS war knapp!

 

Die Reederei und die Versicherung sind informiert und morgen in Dakar kommen Spezialisten jeder Art, z. B. Elektroingenieure an Bord. Heute wurde der Maschinenraum erst einmal gesäubert; der Kabenlstrang ist  baumstammdick und führt hunderte Kabel. Der Generator 7 ist funktionsfähig, aber er kann im Moment nicht genutzt werden, weil die Kabel unbrauchbar sind ... welche Kabel, DAS muss getestet werde. Dieser Generator erzeugt etwa 1/3 der Schiffs-Elektrizität! Wir haben es schon gemerkt – die Klimaanlage wurde komplett abgestellt, dazu die ‚Meerwasser-Entsalzungs-Anlage’ ... wir müssen jetzt in den kommenden Häfen Wasser tanken. Die Mannschaftsküche ist still gelegt, die Mannschaft wird über die Hauptküche mit versorgt ...

 

Es wurde entschieden, 2 Tage in Dakar zu bleiben. Der Landepunkt Laayune / Westsahara wurde dafür gestrichen – einmal auis zeitgründen, aber auch, weil das Schiff dort auf Reede liegen müsste  und wir kein Wasser tanken könnten. Schade, aber ich glaube, das ist sowieso ein ödes Kaff!

 

Wir sollen viel trinken, weil ja die Klimaanlage nicht arbeitet, deshalb gibt es morgen das Wasser ohne Berechnung und  heute Abend Freibier für alle! Beim Abendessen dann die ersten Konsequenzen: es gibt nur 2 Hauptspeisen zur Auswahl, nicht 3, wie sonst! Unsere Servierte ist nun nicht mehr aus Leinen und hübsch gefaltet, nein, es ist eine labbrige Papierservierte – die Wäscherei arbeitet nur noch auf Sparflamme!

 

Bei Tisch geht es hoch her, Uwe meint, es ist ein schwimmender Schrotthaufen ... er geht in Agadir von Bord (das Land Mauretanien – der nächste Stop nach Dakar ist Nouakchott – braucht er noch für seine Statistik!) .... er will keinesfalls mit der Albatros durch die Biskaya schippern. Als er den Kreuzfahrtdirektor darauf angesprochen hat, hat er ihm wohl geantwortet: Sie können jederzeit ausfliegen, Leute wie Sie können wir hier nicht gebrauchen ....alte Regel: trenne dich schnell von den „Aufwieglern“ .... DAS habe ich am Flughafen auch so gehalten  J
Der Rest an unserem Tisch fühlt sich eigentlich weiter wohl an Bord.

 

Schaun wir mal , wie es weiter geht .... es bleibt spannend liebe Leute!

3 Kommentare 8.3.09 09:17, kommentieren

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Conakry in Guinea

Na, da bin ich ja mal gespannt!

 

Es wird sowohl über Bordlautsprecher verkündet, als auch im Tagesprogramm vermeldet: Am heutigen 05. März 2009 finden in Conakry die Feierlichkeiten zur Amtseinführung des neuen Präsidenten statt. Der neue Präsident hat sich Ende Dezember an die Macht geputscht ... überall verstärkte Sicherheitsmassnahmen, die Stadt wird voller Polizei und Militär sein .... und wir mittenmang  J

 

Nach den Erfahrungen von Abidjan sind alle skeptisch, die Albatros war vor 5 Jahren das letzte Mal in Conakry. Überraschung: der Lotse ist pünktlich, die Einfahrt in den Hafen sehr schön, etwas diesig zwar, aber immerhin. Die Kreuzfahrtleitung meldet sich sogar über Bordlautsprecher: im Vergleich zum letzten Mal wurde der Hafen aufgeräumt und von Abfall gesäubert! Die 10 besten Busse desLandes stehen aufgereiht auf der Pier und warten auf uns, gegenüber von unserem Liegeplatz ist ein grosses Transparent aufgespannt, dort steht auf deutsch:

 

FÜR DIE TOURISTEN VON ALBATROS, DIE REPUBLIK VON GUINEA
WÜNSCHT IHNEN HERZLICH WILLKOMMEN

 

Die letzten Kreuzfahrer waren vor 2 Jahren in Conakry und man freut sich, dass wir da sind. Eine Folkloregruppe trommelt und tanzt, was das Zeug hält und die komplette Riege des ’Office National du Tourisme’ ist aufmarschiert! Der Hafenagent hat gute Nachrichten, heute ist nur die Amtsübergabe im kleinen Kreis, die Vereidigung mit grossen Tamtam findet erst in einigen Tagen statt .... Unser Schiff wird früher als erwartet von den Behörden freigegeben, wir sind noch gar nicht mit dem Mittagessen fertig!!!

 

 

 

Conakry / Guinea

 

Es gibt viele Guineas,  in Afrika und auch anderswo! Guinea, Guinea/Bissao, Äquatorial-Guinea, Neuguinea …Unser Guinea war früher mal französische Kolonie, 2008 wurde der 50. Jahrestag der Staatsgründung/Unabhängigkeit gefeiert. Sekou Toure war der bekannteste Präsident des Landes, es hat auch einen Ausflug in die sozialistische Planwirtschaft hinter sich. Seit ein paar Jahren sind die Chinesen hier stark engagiert. Mal schauen, was man von dem Neuen zu erwarten hat.

 

Unsere Kolonne aus 10 Bussen – mit je 40 Fahrgästen setzt sich in Gang, verstehen tut man mal wieder nichts, die Lautsprecher versagen kläglich ...  Wir fahren durch die schachbrettartig angelegte Stadt, längs die Stassen sind die Avenues, quer sie Strassen sind die Boulevards ... in früheren, besseren Zeiten hiess Conakry, das auf einer Halbinsel weit ins Meer ragt, ‚Petit Marseille’. Einige Kolonialbauten und die vielen Bäume entlang der Strassen erinnern noch vage daran.

 

Die Kathedrale ist unser erster Halt, mein Bus bekommt seinen Stehplatz direkt vor dem Präsidentenpalast und ich wage es, ein Foto zu schiessen ... hat wohl niemand gesehen .. war auch tollkühn ... so etwas sollte man in allen diesen Ländern nie tun! Die Gebäude mit der Flagge drauf sind tabu – pech, wenn es ein Feiertag ist und überall Flaggen flattern J

 

Ja, also, die Kathedrale – vor ihr stehen ein paar elegante Damen in ihren unnachahmlichen bunten Roben mit Kopfputz – ich bin hingerissen und deute auf meine Kamera, sie nicken huldvoll und ich knipse. ‚Merci, tres gentil’ murmele ich und höre hinter mir einen entzückten Ausruf. ‚Elle parle francais!!’ … schonbin ich umringt von einem Fernsehteam !! Guinea-TV bringt heute abend eine Sondersendung über die Albatros uns ihre Gäste .. ich werde Interviewt ... auf französisch ... ich lächle liebreizend und sülze los: wunderbare Stadt, so nette Leute, der warmherzige Empfang, die schönen Roben der Damen ... nein, leider essen wir an Bord, ich habe die Guineeische Küche noch nicht probiert ... Ich hoffe blos, das ich die Fragen auch richtig verstanden hatte ....

 

Die Kathedrale ist kein wirkliches Highlight, unser Konvoi fährt weiter durch ein elegantes Viertel mit Botschaften und Villen, das sich am Meer entlang zieht. Viele Einheimische, sowohl Kinder, als auch Erwachsene, winken uns begeistert zu. Wir halten an einem  Kunsthandwerker-Markt und kommen dann an einem Elefanten-Denkmal vorbei – ein Scherzkeks hat dem Elefanten einen Fussball unter einen Fuss gelegt. Jetzt geht es zu einem Park, der extra für uns präpariert wurde. Erneut Begrüssungs-Banner in deutsch, eine Folklore-Truppe, viele Souvenirhändler (ich erstehe einen geschnitzten Hocker) ... hier gibt es ein Restaurant mit Erfrischungen für uns und mit WCs. Hier bleiben wir eine Stunde ... macht Sinn .. der nächste Programmpunkt ist die grosse Moschee, man will die Gebetszeit abwarten, damit wir auch in die Moschee hinein dürfen!

 

Die riesige König-Feisal-Moschee, ein Geschenk des saudischen Königs, ist die grösste Moschee in Schwarzafrika. Obwohl die Gebete doch noch nicht beendet sind, dürfen wir durch die geöffneten Türen in die Halle schauen ... und sogar (mit Blitz!!) fotografieren – DAS wäre in Arabien undenkbar! Auch hier ein buntes Treiben um uns herum, hier sind auch viele Behinderte und Kriegsversehrte (Guinea mit seinen etwa 8 Millionen Einwohneren hatte zeitweilig 1 Million Flüchtlinge aus Sierra Leone und Liberia im Lande), besonders die vielen Unterarm-Stümpfe (einfach von den Guerilleros und Kinder-Soldateska abgehackt!) machen mich betroffen. Eines der 5 islamischen Gebote ist ja, ein Zehntel seines Einkommens an Bedürftige zu verteilen, deshalb ist die Moschee traditionell der Ort der Bedürftigen.

 

Ja, und dann geht es schon wieder zurück zur guten alten Albatros – ein hochinteressanter Ausflug liegt hinter uns.

 

Wir können aber noch nicht ablegen, die Behörden verdonnern die Schiffsleitung, das Schiff nach ‚Blinden Passagieren’ abzusuchen. Wir werden über Bordlautsprecher informiert und um Mithilfe gebeten ... aber ich glaube, es hat nichts ergeben

1 Kommentar 6.3.09 17:20, kommentieren

Das ist Afrika / Abidjan

Das ist Afrika  J

 

Ich bin schon um 5.30 h wach ... aber die Uhr wurde diese Nacht auch eine Stunde zurückgestellt ...  Ich habe gestern mitbekommen, dass die Einfahrt in den Hafen von Abidjan recht interessant sein soll – also raus aus dem Bett und rauf auf Deck. Es ist noch dunkel, nur wenige Leute sind schon da. Das Schiff pirscht sich langsam in die Bucht, dann liegen wir ... und liegen ... und liegen ...

 

Ich gehe mir erst einmal einen Earlybird Kaffee holen. Erst ab 7.00 h gibt es richtig Frühstück, aaaber .. DA kommt er, der Lotse, er hätte schon vor über einer Stunde da sein sollen. Wir fahren in den schmalen Vridi-Kanal ein, palmengesäumt, die Sonne geht auf. Durch diesen Kanal geht es in ein grosses Hafengebiet , das aus mehreren Lagunen besteht, die Stadt Abidjan liegt dann malerisch auf den Halbinseln dazwischen. Um uns herum Kräne, Seelenverkäufer, Wracks, Paddelboote und ein paar respektable Tanker und Containerschiffe. Der Hafen wurde erst 1950 mit der Fertigstellung dieses Kanals eröffnet. Die wichtigsten Exportgüter: Kaffee, Kakao, Edelhölzer, Bananen, Ananas und Baumwolle – importiert wird ALLES.

 

Ich habe inzwischen richtig gefrühstückt: Hering und Melone. Dazu viele schöne Fotos gemacht. Jetzt bin ich in der Kabine, mache mich startbereit für den Tagesausflug, aaaber – heute ist Backbord landseitig, ich kann aus dem Fenster schauen .. die Pier ist ganz nah, es ist aber noch ein breiter Streifen Wasser zwischen uns und der Pier ... ???  Ahh, da kommt schon die Durchsage von der „Brrrügge“ ... wir sollten 250 m weiter an die Pier, dorthin, wo vernünftige Poller sind. Die Hafenleute sind anderer Meinung, die Verhandlungen laufen noch ....

 

Ok, ich hole mein Netbook heraus und schreibe erst einmal diesen Text. Als ich nach einer Weile mal wieder aus meinem Bullauge schaue, ist der Streifen Wasser verschwunden, die Verhandlungen haben wohl gefruchtet. Nun warte ich nur noch auf den Aufruf zum Sammeln für den 5 Stunden Ausflug: Abidjan & Grand Bassam. Der Ausflug sollte kurz nach 08.00 h beginnen, jetzt ist es fast 8.45 h ... aber man hat schon durchgesagt, dass die Liegezeit verlängert wurde, geplante Abfahrt jetzt nicht mehr 14.00 h sondern 15.00 h ... wir werden sehen ... es bleibt spannend liebe Leute!

 

.... Stunden später .....

 

Nein, es ist erst kurz nach 9.00 h, Lautsprecherdurchsage: die Immigration ist an Bord, die Pässe werden überprüft, die Visa erteilt ....  aaaber ... die Hygiene-Behörde ist noch nicht da. Wir könnten ja jede Menge gräuslicher und ansteckende Krankheiten ins Land schleppen ... also ohne die Freigabe der Hygiene-Behörde läuft hier gar nichts!!! Der Hafenagent telefoniert beidhändig, bzw beidohrig ... es soll jetzt nur noch etwa 25 Minuten (afrikanische Minuten) dauern ....

 

Seit 10 Jahren ist die Albatros das 1. Kreuzfahrtschiff, dass Abidjan anläuft, die Leute sind nicht mehr in Übung  J  Das letzte Kreuzfahrtschiff damals war übrigens die alte Albatros .... Der Hafen Abidjan ist kurzfristig ins Programm aufgenommen wirden, dafür werden die Häfen Brazzaville/Kongo und Bissao/Guinea-Bissao nicht angelaufen; DAS stand im Programm. Aber da sich die politische Lage hier ganz kurzfristig ändern kann (siehe auch die beiden ganz kurzfristig stornierten Anlandungen in Madagaskar kurz bevor ich an Bord kam) – muss man hier echt flexibel sein.

 

Es Ist 9.30 h, ich packe das Netbook mal ein und hole mir noch einen Kaffee ... das Frühstücksbuffett wird um 10.00 h abgebaut .. aber wer weis, wann es heute wieder etwas gibt  J  Ich greife mir die Tageszeitung: die täglich an Bord erscheinende Deutsche Rundschau ... und was steht auf der Titelseite?  Gestern hat das Militär den Präsidenten von Guinea-Bissao ermordet, der Generalstabchef des Landes wurde am Sonntag getötet .... vielleicht ist es ja doch eine ziemlich gute Idee, den Stopp in Guines-Bissao in den nächsten Tagen ausfallen zu lassen .....

 

 

 

 

Abidjan  /  Elfenbeinküste

 

Wir Ausflügler sitzen in 6 Uralt-Bussen, aus den Rückenlehnen quilt de Schaumstoff, der Sitzabstand zum Vordemann ist so schmal, dass einige Sitzreihen gar nicht geenutzt werden können. Alle Fenster sind auf, aber wir schwitzen aus allen Poren – die Luftfeuchtigkeit ist extrem. Pro Bus gibt es einen Fahrer, einen Assistent für den Fahrer (verteilt Wasserflaschen, schaut ob die Hintertür auf oder zu ist, etc), einen Sicherheitsbeamten in Militär- (??) oder Polizei (??)- Uniform – apart gemusterte Tarnanzüge mit kessem Käppi – mindestens 1 Guide (unserer spricht deutsch, hat er 8 Monate in Blaubeuren bei Ulm gelernt), eventuel noch einen Übersetzer des Guides plus die Phoenix-Begleitung  (in unserem Fall der Lektor, ein alter Seebär der als Checfmechaniker der Maxim Gorki früher oft in Westafrika war) .... Leider verstehen wir im hinteren Teil des Busses fast nichts, es gibt zwar ein Mikrofon, aber die Lautsprecher-Anlage schwächelt ... wie die ganzen Tage zuvor auch! Da lobe ich doch die Megaphone von Limbe in Kamerun! (Könnte Phönix nicht ein paar mobile Lautsprecher-Anlagen aus Deutschland dabei haben???? Wäre ein toller Service!)

 

Draussen auf der Pier gibt es seit ungefähr 20 Minuten (mindestens) Palaver ohne Ende! Wach- und Sicherheitsleute bilden eine Art Kordon, Passagiere der Albatros versuchen immer wieder, da durchzustossen um am Land zu gehen ... Wir bekommen das in den Bussen gar nicht so richtig mit, irgendwann geht es dann endlich los, so 20 nach 10 h. Vor uns keine Motorrad-Eskorte, wie in Accra und Cotonou .. nein, 1 PKW der Police-Diplomatique und ein Sheriff-Auto mit genau SO einer Heule .... und die wird nonstop betätigt!!!! Wuiwuiwui – Huuuuuiiiiii- Wuiwuiwui-Wuuuuuuuuuuuhuhuuuu-Wuiwuiwui ... na ja usw, knapp 4,5 Stunden lang  J

 

Abidjan hat mindestens 4 Millionen Einwoohner und liegt hübsch an mehreren Lagunen auf Halbinseln. Es ist die mit Abstand wichtigste Stadt des Landes; seit 1982 ist allerdings die Retortenstadt Yamousoukrou im Landesinneren die Hauptstadt von der Elfenbeinküste. Apropos – Elfenbeinküste – der offizielle Landesname ist die französiche Variante: Cote d’Ivoire ... und es ist bei Strafe verboten, den Namen in andere Sprachen zu übersetzten ... da pellen sich die Engländer, Spanier, Italiener mit Ivory Coast, Costa de Marfil oder Costa de Avorio natürlich ihre Eier drauf ...

 

Wir fahren durch die beeindruckende Wolkenkratzer Skyline des Plateau-Viertels, in den Neunziger Jahren war Abidjan mal eine blühende Metropole mit Parkanlagen und breiten Boulevards: das Paris Westafrikas ... bis es zu Unruhen kam und ein Grossteil der hier lebenden Franzosen evakuiert wurde. Dieses Viertel sieht noch einigermassen  gepflegt aus, auf der anderen Seite dieses Lagunenarms liegt Cocodie, wo die Monatsmiete für Wohnungen bei 500 bis 1.500 Euro liegt. Auf einem Hügel unser erster Stopp, direkt am beeindruckenden Elefanten-Denkmal : die hypermoderne Kathedrale.  Es gibt sehr schöne, farbenprächtige Glasfenster mit religiösen Themen, die ins afrikanische Millieu übertragen wurden, dazu hübsche bunter Mosaike an den Wänden. Als wir wieder herauskommen, müssen wir auf unsere Busse warten, die von im Verkehrsstrudel verschollen sind ....  Die ganze Stadt wimmelt von quitsche-orangenen Taxis, wenigen Bussen und entweder betagten Rostlauben oder doch sehr ansehnlichen Limousinen der Firmen BMW, Mercedes und Audi, auch VW ist neben den Franzosen, Japanern und Koreanern gut vertreten.

 

Unser nächster Stopp ist im Libanesen-Viertel ein Stoffladen (dort gibt es auch ein (1) WC) ... man stelle sich das vor, der Laden ist nicht klein – aber: 6 Busse voller Touris halten auf der Strasse und alle, alle stürmen den Laden und die meisten wollen aufs Klo  J Ich schaue mir die frabenprächtigen Stoffballen an, daraus werden die Boubous und Kopfputze für die Damen und die WalleWalle Gewänder für Herren gemacht .... wunderschön, aber wohl doch nicht europatauglich ....

 

Eines der letzten eleganten Gebäude gehört der UNO, es liegt auf einem Hügel und hier ist schon überall reichlich Stacheldraht auf den Mauern ... Wir kommen jetzt nach Treichville mit seinen wuseligen Strassenmärkten, ich halte meine Kamera aus dem Fenster und knipse was das Zeug hält, DAS ist das pralle Leben hier!! Unser Bus bleibt im Verkehr stecken ... natürlich genau neben einem gut gefüllten Container mit Obstabfällen der fröhlich vor sich hingährt ... DAS sind Aromen, die bei der Hitze in unseren Buss quillen .....  An den Strassenrändern, auf Böschungen und in Hinterhöfen sieht man auch kleine und grosse Müllhalden, die beiden eleganten Damen, die im Bus hinter mir sitzen kriegen sich gar nicht wieder ein!!! Wir passieren den grossen Busbahnhof, kurze Zeit später queren wir die Eisenbahnlinie, es gibt hier nur eine und die führt nach Norden, nach Ouagadougou in Obervolta – eine fahrt dorthin dauert 2 Tage ... aber es fahren wohl hauptsächlich Güterzüge.

 

Der nächste Sightseeing-Punkt wird von uns schon sehnsüchtig erwartet: die Wäschereien .... das bedeutet in Abidjan: einige schmutzstarrende Wassertümpel, in denen junge Männer und Frauen mit ihren Babies auf dem Rücken unter vollem Körpereinsatz die Wäsche der gutsituierten Stadtbevölkerung malträtiert .... Die Wäschestücke werden im Wasser eingeweicht, eingeseift, geschrubbt, auf Steine geschlagen, gespült, gewrungen .. und dann das Ganze mehrfach wiederholt ... Die gesamte Umgebung, Wiesen, Büsche, Hecken,, Autobahnböschungen, Seiten- und Mittelstreifen der Fahrbahnen – einfach ALLES – wird zum Trocknen genutzt ... ein sehr farbenprächtiges Bild ... wie finden jetzt blos die Wäscheteile zu ihren rechtmässigen Besitzern zurück ???

 

Auf in den Dschungel, wir besuchen den Nationalpark Banco mit seiner artenreichen tropischen Vegetation im Norden der Stadt.  Hier ist noch ein Stückchen des urprünglichen Waldes mit 700 verschiedenen Baumarten erhalten geblieben. Unser Bus muss mit 2 anderen 3 Bussen warten, da ich nichts versthe, was vorne gesagt wird, steige ich auch aus, wie alle anderen und marschiere los. Nach einigen 10 Metern werde ich von 2 Einheimischen überholt, ich kratze mein Französisch zusammen und frage: Combien la distance?  Trois Kilometre ... ee, also nicht mit mir, ich drehe postwendend um und hege zum Bus zurück. Der will gerade losfahren, den Leuten hinterher ... denn inzwischen sind 33 andere Busse von uns aus dem Wald herausgefahren .. der Waldweg ist zu schmal, hier können sich keine Busse begegnen .. aha .. der Bus sammelt nach und nach alle Mitstreiter wieder ein und nach den 3 Kilometern sollen wir alle wieder aussteigen und uns die Bäume anschauen ... das hatte ich doch schon die ganze Zeit vom Bus aus getan ...  Als fast alle wieder im Bus sitzen, sagt ein Guide: dort hinten ist das Museum, nur 10 Minuten zu fuss ... es kraxeln die meisten wieder raus aus dem Bus und weg sind sie ... langsam drängt die Zeit, wir sollten gegen 14.30 h wieder an der Pier sein ... es ist etwa 14.10 h als sich die Busse schliesslich wieder in Bewegung setzen. Mit unserer Eskorte  schaffen wir es dann recht schnell durch die Stadt und sind fast pünktlich zurück! Allerdings sind mehrere Ausflugsziele nicht angelaufen worden ...

 

Hunger

 

Ich stürze gleich ins Restaurant, es wurde extra für uns offen gehalten ... ICH BIN SEHR ANGETAN!!  Dort erwartet uns Siggi um uns von seinen Abenteuern zu berichten  .. nur er, Roberto und wenige andere sind mit dem ersten Shuttelbus, gleich nach der Anlandung überhaupt in die Stast gekommen!! Sonst hat kein Passagier der MS Albatros die Elfenbeinküste betreten! Es war auf der Pier wohl der Teufel los ...  Der Kapitän meldet sich von der Brrrügge, er würde mal wieder auf den Lotsen warten ...

 

Als ich wieder in der Kabine bin, kommt eine Lautsprecher-Durchsage: Alle Ausflügler bekommen 50 % der Ausflugskosten erstattet, für alle Nicht-Ausflügler hat sich die Albatros geweigert, die Visa-Gebühren für die Elefenbeinküste zu zahlen (normalerweise wird für jeden Passagier gezahlt, ob an Land oder nicht) .... Frühestens in 10 Jahren wird Phoenix-Reisen den nächsten Anlauf hier nehmen!

1 Kommentar 4.3.09 11:03, kommentieren

Cotonou / Ganvie & auf See

Cotonou – Benin

 

Und wieder erwartet uns eine Folklore-Gruppe – sie haben sogar ihren König mitgebracht!! Er sitzt würdig gekleidet unter einem Brokat-Sonnenschirm und huldigt uns Besuchern ... Die Tänzer sind sehr ausdauernd, wann immer ich an der Pier bin - bis abends kurz vor dem Auslaufen -  wird getrommelt und getanzt ... und das bei diesem Klima!!! Ich entdecke an einem Stand einen sehr hübschen gebatikten Bettüberwurf, wahrscheinlich 2 x 2,5 m gross. Gelb-orange ... würde toll in meinen Flur zum Abtrennen des Kabuffs neben der Küchentür passen .... Ich beginne Verhandlungen – nein, 80 Euro sind definitiv zu viel!

 

Ich nehme nach dem Frühstück den Shuttelbus von Phönix in die Stadtmitte, selbst wenn der Hafen stadtnah liegt, bis man so durch die ganzen Container zum Ausgang gefunden hat, DAS kann dauern, selbst die Busfahrer landen manchmal an den falschen Hafentoren. Oh, da kommt uns eine dicke schwarze Mercedes-Limousine mit der Schwarz-Rot-Goldenen Standarte und einem CD Aufkleber entgegen ... der deutsche Botschafter macht der Albatros die Aufwartung ... so oft sind wahrscheinlich keine deutschen kreuzfahrtschiffe im Hafen. Für ihn sicher eine nette Abwechslung.

 

Heute ist Sonntag, das ist gut für die Kathedrale, es ist Gottesdienst und ich lausche verzückt dem tollen Gesang. Ausserdem bin ich faszoiniert von den Frauen und ihrer farbenprächtigen Kleidung: gewickelte Boubous in den gewagtesten Farbkombinationen bauschen sich um die Körper, dazu – kess oder gediegen – Tücher um den Kopf geschlungen ... diese Tücher haben aber auch rein gar nichts mit Kopftücheern zu tun, eher Turbane mit abstehenden Zipfeln ... schwer zu beschreiben ... muss man einfach gesehen haben! Das Gebäude gefallt mir überhaupt nicht, es ist rot-weiss gestreift, es erinnert ein wenig an den florentinischen Baustil in Italien, der mir auch nicht zusagt. Aber an der Rückwand gibt es ein hübsches Glasfenster.

 

Nicht weit von der Kathedrale schwingt sich eine grosse, moderne Strassenbrücke über den Verkehr ... DAS ist die Konrad-Adenauer-Brücke, eingweiht von Hotte Köhler A.D. 2004, eine Gabe von Heidemarie W. Z. unserer Entwicklungshilfe Ministerin! Die sie umgebenden Verkehrsschilder sind auch gleich aus Deutschland mitgebracht worden – da bekommt man doch gleich Heimatgefühle ....

 

Jetzt rollt auf Schienen mitten auf der Hauptverkehrsstrasse, ich bin inzwischen auf dem Markt eingetrudelt, ein langer langer Güterzug – alles Waggons voller Benzin und/oder Gas .... mir ist irgendwie nicht so wohl dabei. Sonst ist auf dem Markt leider kaum etwas los, es ist ja auch Sonntag ... Ich knipse ein paar Obst und Gemüse Stände, eine grosse Abteilung bietet Koffer-Trolleys und Reisetaschen an, DVD-Player, Sonnenbrillen, das Angebot ist breit gefächert, was mag hier wohl wochentags los sein !!! Selbst der Tiermarkt hat heute auf, ein paar Truthähne und Miezekatzen, Kaninchen und Hühner harren in geflochtenen Körben aus.

 

Ahh, da sehe ich ein paar Mitreisende, ich werde informiert, dass der Shuttlebus zum Schiff ganz woanders abfährt und gehe dankbar mit. Da stehen sie alle vor dem Postamt und warten, ich auch .... der Shuttelbus kommt .... und überraschenderweise passen wir alle hinein J

 

Bevor ich an Bord gehe, versuche ich mein Glück mit dem Bettüberwurf aufs Neue, wir brechen die Verhandlungen bei 65 Euro ab und ich gehe erst einmal zum Essen an Bord.

 

 

Das Pfahlbaudorf  Ganvie

 

14.00 h beginnt der Ausflug, Roberto hat mit Autan geliehen, für den Fall, dass gegen Abend ein paar stechfreudige Mücken am See lauern ..... tun sie nicht, aber ich reibe mich dann doch sorgfältig ein.

 

Wir fahren etwa 10 km aus der Stadt heraus und unsere 5 Busse (ich habe den von der Poste Benin erwischt) halten an einem schilfbewachsenen See. Wir werden auf kleine Boote verteilt, immer 10 – 12 Leute pro Boot. Sie sind aus Holz und haben ein Dach als Sonnenschutz. Vorne sitzt ein Beniner als Gallionsfigur, in der Mitte sitzt ein Beniner mit Topf zum schöpfen des langsam einsickernden Wassers (na, Mädels, erinnert ihr Euch J) und hinten am Steuer und Motor sitzt natürlich auch jemand. In meinem Boot findet sich auch Alphonse ein, der gut deutsch sprechende Guide mit Mikro.

 

Es geht etwa 8 km über den See, es gibt eine breite Schneide im Schilf, es herrscht eine reger Verkehr von Motosboot-Taxis, Fischerbooten, Einbäumen die gestakt werden usw. Viele Leute haben sich fein gemacht, sie sind im Sonntagsstaat .. ein festliches, farbenprächtiges Bild. Ich weigere mich in Ganvie auszusteigen, nur um in einen Souvenir-Shop zu gehen ... ich beobachte lieber weiter. Das komplette Dorf liegt auf Stelten im Wasser, manche der Hütten arg windschief. Der Markt, der öffentliche Nahverkehr, einfach alles findet auf dem Wasser statt. Etwa 12. Einwohner leben hier in den Bambushüte, es gibt alles: Friseur und Krankenstation, Hotel und Restaurants, Schule und Supermarkt. Jeder hat mindestens 1 Boot und wir machen die grosse Runde ... meine Kamera kann gar nicht so viel knipsen, wie ich auf den Auslöser drücke! Was für ein schöner Ausflug!

 

Als wir wieder an die Pier vor der Albatros ankommen, ist mein Wandbehang noch da .... Die Händler packen gerade alle zusammen. Ich komme auf meinen Händler zu und er lächelt – er hat auch sehr schöne Hüte vom Nomadenstamm der Peul/Fulani – ich habe schon so einen zuhause. Ok, letzte Verhandlungen, ich zahle 45 Euro für den Wandbehang, einen Hut und bekomme noch eine Banknote: 1.000 CFA Franc als Souvenir dazu ... ich glaube wir sind beide damit hoch zufrieden!

 

 

 

Auf See im Golf von Guinea

 

Die Klimaanlage hat nun wohl endgültig ihren Geist aufgegeben, Roberto hat ein Thermometer dabei, in seiner Kabine sind 29 ° Celsius ... in meiner bestimmt auch. Aber auch in den Gesellschaftsräumen und in den Restaurants – dort, wo vor einigen Tagen noch ziemliche Kühle herrschte (es gab Leute, die mit Pulli ins Kino kamen)
Hat sich die schwüle warme Luft ausgebreitet ...

 

Am Anfang konnte man von draussen reinkommen, um sich zu erfrischen ... das bringt jetzt gar nichts mehr! Vor allem reduziert eine Klimaanlage ja nicht  nur die Temperatur – nein, sie senkt auch die Luftfeuchtigkeit auf das angenehmste!!! Nun stehen wir alle – eigentlich immer – im eigenen Saft. Da kann man duschen, soviel man will, kurz danach ist mann schon wieder klitschnass geschwitzt!

 

Dabei ist es gar nicht sooo heiss, zwischen 30  und 35 ° im Schatten, je nach Sonne und Bewölkung! Ich entscheide mich heute abend für das Kino (Der Teufel trägt Prade) – neben mir sitzt eine nette Wienerin und wir kommen ins Plaudern, bevor der Film beginnt. Sie ist seit Monta Carlo an Bord – da quetsche ich sie doch erbarmungslos aus über die Passage durch den Golf von Aden (Piraten!). Sie meint, Phoenix hätte sich vorbildlich verhalten. Genaueste Informationen schriftlich und über den Bordlautsprecher. Alle Bullaugen und Fenster wurden abgeklebt, Passagiere mit Innenkabinen hätten sich im Notfall in ihren Kabinen aufhalten dürfen, alle anderen hätten zum Schutz vor Schüssen und Querschlägern in die Treppenhäuser im Schiffinneren gehen müssen ... Aber es wurde ja im Konvoi der gesicherte Korridor befahren und es ist nichts passiert.

 

Ausserdem hat man den Passagieren angeboten, auf Kosten von Phoenix im letzten ägyptischen Hafen auszusteigen, eine kleine Nilkreuzfahrt zu machen (Phoenix ist auch ein grosser Ägypten-Reiseveranstalter) und dann von Luxor auf die Seychellen – das nächste Ziel der Albatros – ausgeflogen zu werden! Davon soll allerdings niemand gebrauch gemacht haben.

 

Heute früh ist eine Führung durch das Fitness-Studio, die hatte ich beim 1. Mal verpasst! Ich nutze gleich die Chance und gehe 30 Minuten auf das Laufband, ganz anderes Geh-Gefühl bei Seegang! Wunderbar, der Blick auf den Poolbereich, überdas weite Meer und ... da hinten ziehen ein paar Wale; immer wieder sicht man sie Fontainen ausschnauben ... wie schön ...

 

Güten Morrgen liebbe Gääste, hier sprikt der Kapitän von der ... Brrrügge!

 

Aha, wir bekommen erklärt, dass es gestern im Hafen von Cotonou Probleme mit der Stromversorgung gab! Da die Sicherheit des Schiffes vorrang hat vor der Kühlung, wurde die Klimaanlage abgeschaltet, damit genug Strom für das Wendemanöver und das Auslaufen aus dem engen Hafenbecken vorhanden war ......

 

Ich komme vom Malkurs, ziehe mich um für das Mittagessen (der Kapitän wünscht uns abends immer: Guten Appetit zum Abendmal   J  dann schaue ich mal raus ... Weltuntergangs-Stimmung – alles dunkel-schwarz-grau ... ein Wahnsinnsgewitter!!! Es gießt in Stömen, Blitze zucken, der Donner grollllt .....

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Lome / Togo

Lome  /  Togo

 

 

Jetzt geht es Schlag auf Schlag, gestern Ghana, heute Togo und morgen Benin ....
Hier leben die gleichen Volksstämme, die Landschaften ähneln sich und die Unterschiede sind nicht so riesengross. Die Stimmung im jeweiligen Land wird natürlich von den politischen Verhältnissen beeinflusst, ich glaube die sind im Moment in Ghana am Besten. Ein Guide meinte treuherzig: wir waren doch alle schon da, als die Europäer kamen. DIE haben dann die Grenzen gezogen!

 

Togo ist ein sehr kleines Land, ein Schlauch von nur etwa 60 km Breite zwischen Ghana und Benin gequetscht. Lo bedeutet in etwa: Zahnbürste, nicht ganz, sondern: ein Stueckchen Holz vom Zahnbürstenbaum  J  Die Einheimischen hier haben alle prachtvolle Zähne, sie kauen morgens und abends auf dieesen Holzstuückchen herum und reinigen sich damit ihre Zähne!!! Me bedeutet dann: Ort des ....

 

An der Pier werden wir von einer Folkloregruppe mit Stelzenläufer und Maskentänzern begrüsst, auch eine lange Schlange Souvenirhändler hat sich schon häuslich niedergelassen!

 

Mein Bus bekommt gleich 2 junge, ansehnliche Männer als Guides zugeteilt, beide teilen sich den Job. Da es keinen Lautsprecher im Bus gibt, müssen sie recht laut die scheppernden Busgeraeusche durchdringen. Ihr Deutsch ist sehr gut, die Aussprache klar und deutlich! Sie haben es in der Schule hier gelernt ... Togo war ja auch einmal eine deutsche Kolonie!

 

Der Hafen von Lome ist (neben Tema) einer der wichtigsten in ganz Westafrika. Viele Binnenländer (Niger, Burkina Faso und Mali) lassen ihren gesamten Aussenhandl über Lome laufen. HIER kommen auch unsere abgelegten Autos an – wenn nicht gerade die Abwrackprämie das Geschäft verhagelt! Sie werden hier aufgemöbelt und weiterverkauft um dann noch ein langes, langes Autoleben weiter zu führen ...

 

Zuerst geht es an einer riesigen Zementfabrik vorbei (Heidelberger Zement) zum Fischereihafen. Doraden, Haifische, Rotbarsche ... wir sind die Nachmittagstour und es werden überwiegend die Netze geflickt. Weiter geht’s, am Strassenrand sind die Leute damit beschäftigt, kleine Gemüsegärten zu hegen und zu pflegen. Es wird bewässert und Unkraut gezupft ... Blos keine fruchtbare Erde verschenken.

 

Jetzt stehen wir vor dem Denkmal der Völkerfreundschaft un Baguida, es wurde 1984 zum 100sten Jahrestag der Deutsch-Togolesischen Freundschaft von Franz-Joseph-Strauss spendiert! Ihm zu Ehren gibt es in Lome auch die Franz-Joseph-Strauss Avenue. Es war eine dicke Freundschaft damas zwischen dem Diktator Eyademe und FJS, er lies sich gerne zu grossen Jagdgesellschaften einladen ... Auch so schöne Restaurants wie: Alt-München und ein Oktoberfest hat er Togo beschert!

 

Überall kleine „MinipTankstellen“ ... d.h. ein wackliger Tisch am Strassenrand, darauf mehrere Flaschen in verschiedenen Grössen und Formen. Sie werden mit einem kleinen Trichter (aus der Küche) mit Treibstoff (Benzin, oder was sich so gerade anbietet) befüllt. Das Hauptbeförderungsmittel hier (wie fast überall inder Dritten Welt) sind Moped .... und so einen „Schluck aus der Pulle“ kann man sich dann gerade mal zwischendurch leisten!

 

 
Wir fahren an einem langen, praechtigen, palmenbestandenen Strand entlang Richtung Ghana-Grenze. Auf der rechten Seite des Busses ziehen sich die Villen und Kolonialbauten. Hier ist auch noch der alte deutsche Gouverneurs-Palast – aber leider hat die togolesiche Regierung uns Deutschen verweigert, dort hinein die Botschaft zu platzieren ... das würde dann doch zu sehr an Kolonialzeiten erinnern  J

 

Zurück geht es durch die Viertel kleiner Leute, es ist wuselig und herrscht reges Leben und Treiben .. aber kein Vergleich zum Normalzustand, es ist später Samstag Nachmittag! Berühmt fuer Togo sind die „Mama Benz“, die agilen Marktfrauen, deren Ziel ist, eines Tages mit einem uralt Mercedes durch die Stadt zu fahren!

 

Es gibt eine Schnellführung durch das Nationalmuseum in 15 Minuten .. das reicht aber auch! Wir fahren an verschiedenen Denkmäler und Regierungsgebäude, neue Hotels (Ibis und Mercure) und stoppen am Handwerker-Markt. Dort wird gerade zusammen gepackt und uns reisst nichts vom Hocker. Die Sonne geht unter und wir beeilen uns, noch einen Blick auf den Fetisch-Markt zu erhaschen. Es ist schon dunkel – leider – ganz Lome hat  - optimistisch geschätzt – 100 Strassenlaternen ... und wir tapern im Finsteren. Ich versuche möglichst viele Stände per Blitzlicht-Foto zu erwischen, hinterher sehe ich, dass einige Händler mir Chamälions und Anderes vor die Linse gehalten hatten  J

 

Ein grosse Teil der Bevölerung glaubt an den Voodoo-Kult, HIER gibt es alle Utensilien dafür ... zum Guten und zum Bösen ....

1 Kommentar 2.3.09 18:00, kommentieren

Weniger Gaeste

Gestern sind 60 Gaeste mehr abgereist, als neu hinzu gekommen sind ... ob jetzt wohl mal Liegen im Laufe des Tages frei sind ???

Unser Tisch soll jetzt nur noch aus 6 Leuten bestehen, 2 haben uns verlassen ... mal schauen ...

Und der Kellner Regie ist ins andere Restaurant versetzt worden - ich bin gespannt auf die naechsten Mahlzeiten  :-))

 

Gib doch mal bei Amazon das Stichwort:  Siggi Sawall ein ....

Er sitzt bei mir am Tisch !!! Die 4 Buecher muss ich mir natuerlich besorgen, wenn ich wieder zuhause bin. Er plant auch ueber diese Reise ein Standartweerk ... und laut Google war er schon in 190 Laendern, aber darueber schweigt er. Wohingegen Uwe und Roberto sich immer noch mit ihren Statistiken fetzen, welche Staate/Laender nun gelten oder nicht .. sie liegen bei 190-200 bzw 149-156 je nach zaehlweise!! Die beiden Nicht-Statistiker am Tisch haben beide schon 16 bzw 19 lange kreuzfahrten hinter sich, die laenderzahl wird sich auch laeppern ... echt .. da liege ich mit meinen 112 oder so (aber erst nach dieser Reise) weit, weit abgeschlagen ...

 

Wer haette das gedacht !!!!

28.2.09 09:06, kommentieren

Kein Land in Sicht - weit und breit ,,,,

Ich stehe Extrafueh auf, dich will die Einfahrt in den Hafen von Lome miterleben ... da stehe ich nun an Deck und was ist ... nichts ist !! Ok, dann erst mal das Early-Bird-Fruehstueck - eine kleine Staerkung hat noch niemandem geschadet ...  Um diese Zeit bekomme ich sogar noch eine Liege auf dem Lido-Deck !!!!

 

Da, eine Lautsprechdurchsage von der ... brueggge

 

Heute nacht hat das Schiff Treibstoff und Schweroel gebunkert .. aber, wie das in Afrika so ist, kam das tankschiff zu spaet und die Pumpe konnte nichtbBeides pumpen - nur entweder / oder ... Da hat der Kapitaen dann Stunden spaeter - als fest stand, dass der Treibstoff bis Vigo in Spanien reicht, dern Vorgang abgebrochen und sich auf den Weg nach Lome gemacht ... aber wir hinken nun 3 Stunden dem Fahrplan hinterher  :-)

 

Alle Tagsplaene sind damit Altpapier. Wir sollen bitte kraeftig fruehstuecken, weil durch die spaeten Abfahrten der Ausfluege kommen wir natrerlich auch erst nach 14.30 h wieder zumSchiff. DAS sollen wir unbedingt beruecksichtigen!! Die Kueche und die Restaurant wissen bescheid, es gibt eine extralange Mittagszeit heute :-)

 

Dann haben mich in den letzten Tagen echt traurige Nachrichten von zuhause erreicht: Faru Ludwig, meine Nachbarin mit dem gruenen Daumen, die immer den Fernsehere auf voller Lautstaerke hatte ist gestorben - aber sie war ja Mitte 80. Ganz schrecklich fine ich die Nachricht von Elisabeth Fischer / van den Broek!!! Sie war bei KLM meine langjaehrige Kollegin !! Nur 2 Jahre aelter als ich!! Krebs. Ich bin sehr gluecklich, dass sie meine Geburtstagskarte aus Kapstadt noch bekommen hat, sie ist dann wohl am Tag nach ihrem Geburtstag ins Krankenhaus gekommen und am Abend eingeschlafen ....

1 Kommentar 28.2.09 08:59, kommentieren